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Ein Gang durch die Kirche
Nur einen Steinwurf vom Südufer der Egau entfernt liegt auf einer leichten Anhöhe die im neuromanischen Stil erbaute Pfarrkirche "Maria Rosenkranzkönigin". Sie stellt nicht nur das religiöse
Zentrum der ehemals selbständigen Gemeinde Schretzheim dar, sie ist mit ihrem 42 m hohen, mächtigen Turm von weitem ein Blickfang. Dieser wuchtige Sakralbau mit dem außen naturbelassenen Ziegelmauerwerk dominiert
das dörfliche Ensemble.
Erst beim genaueren Hinsehen fällt auf, daß das Gotteshaus nicht wie
üblich nach Osten, sondern mehr nach Süden gerichtet ist - eine Besonderheit, die sich aber ganz einfach mit den Grundstücksgrenzen zur Zeit des Kirchenbaus erklären läßt. Wenn der Besucher in der
zweigeschoßigen Vorhalle die schwere Holztür mit den schmiedeeisernen Beschlägen öffnet, so bietet sich ein überraschender Gesamteindruck, den
man von einer Dorfkirche nicht unbedingt erwartet. Man betritt einen voluminösen einschiffigen Bau mit eingezogenem zweijochigem Chor und nochmals eingezogener halbrunder Apsis.
Hinter dem 25 auf 15 Meter großen, rechteckigen Kirchenschiff wirken
Chor und Apsis als ein geschlossener Raum, der sich über sechs Stufen wie eine Steigerung zum Hochaltar hin konzentriert. Die gleiche räumliche
Tiefenwirkung vermitteln die drei Wandpfeiler mit den vorgesetzten Säulen und abgeschrägten Kanten in Chor und Apsis. Dieses Pfeilerprofil setzt sich nach oben hin fort in aufgesetzten Diensten mit korinthisierenden
Kapitellen und den runden Gurtbögen. Sie gliedern den Chor mit Halbkreistonne als Decke und die Apsis mit Halbkugel, beide mit Stichkappen. Kaum vorstellbar ist die Tatsache, daß die frühere
Schretzheimer Pfarrkirche St. Laurentius (Standort alter Friedhof) allein in Chor und Apsis Platz gefunden hätte. Damit verstehen wir jedoch, warum die Schretzheimer Gläubigen vor 100 Jahren
den Wunsch hatten, ein neues, geräumigeres Gotteshaus zu errichten.
Schreitet man nun hinein in diese Pfarrkirche, vor zum Chorraum, so läuft man über einen schwarzweiß-rot gesprenkelten Terrazzoboden, der auch etwas mit Ocker und Grün als lebendige
Farben durchmischt ist. Man hat dabei fast das Gefühl, über einen Teppich zu gehen, zumal dieser Eindruck durch ziegelrote und weiße Leisten an den Rändern verstärkt vorgetäuscht wird. Eine
wahrlich aufwendige Planung und Gestaltung des gesamten Bodens, meisterhaft ausgeführt durch erfahrene italienische Fachkräfte.
Vom Chorraum aus, in dem früher einmal Kinderbänke und eine Kommunionbank standen, führen zwei massive Holztüren zu Sakristei und Glockenturm. Blicken wir jetzt zurück nach Norden sind wir
erstaunt: Eine mächtige, fein gegliederte, durchgezogene Empore ruht auf zwei massiven gewundenen Eichensäulen mit blätterartigen Kapitellen. Das Zusammenspiel von Empore, Säulen und den beiden
steilen Treppen nach links und rechts oben strahlt Harmonie aus:
Wie auch in Chor und Apsis strömt viel Licht durch die hohen Fenster mit
Rundbogenabschluß ins Kirchenschiff Fast wie ein Rittersaal wirkt dieser hohe Raum wegen seiner feinen flachen Holzdecke mit den eingezogenen Balken dazwischen, optisch schön zu den Außenmauern hin etwas
abgeschrägt, wo sie von Konsolen aufgefangen werden.
Wenn der Dillinger Künstler Lothar Schätzl (übrigens ein Nachfahre des technischen Bauleiters
dieser Kirche, Richard Greiner) davon spricht, daß die Kirche "einfühlsam restauriert" sei, so ist das nicht nur eine ehrende Würdigung der Restauratoren.
Mit dieser Bemerkung sind wir auch aufgefordert, das Gotteshaus auf uns wirken zu lassen.
Ocker, Malagarot und Gold sind die beherrschenden Farben des Raumes. Er wird zusammengehalten durch den dunkelroten Ton der Altäre, der sich an Kanzel, Empore und Orgel
wiederholt. Wie ein durchgehendes Motiv ergänzen sich Form und Farbe zu einem harmonischen Ganzen. Das kühle Rot und das warme Gold der Altäre bilden dabei eine elegante Mischung, die
angenehm ins Auge fällt. Gefällig auch der andere, warme Holzton: Das naturbelassene, nur lasierte Holz des Chorgestühls mit Wandverkleidung, der Kirchenbänke und der Beichtstühle setzt einen
besonderen, wohltuenden Akzent.
Nicht nur in den Abendstunden, wenn die tiefstehende Sonne die frische Farbigkeit zusätzlich betont, sticht das bei der Renovierung an vielen Stellen erneuerte und auch frisch aufgetragene Gold ins Auge.
Zwischen den Fenstern und an der Stirnseite des Kirchenraumes stellen
große, bunte Wandgemälde mit kurzem Begleittext Gesätze aus dem freudenreichen und glorreichen Rosenkranz dar. Sie spannen den Bogen von der Verkündigung durch den Erzengel Gabriel bis hin zur Aufnahme Mariens
in den Himmel. Auf dieser Darstellung über der Kanzel (siehe Umschlagbild) sind beide Kirchen von Schretzheim zu erkennen. Die Wandflächen auf der Empore zieren die Patrone der Kirchenmusik: König David und Cäcilia.
Ausstattung Die Einrichtung stammt im wesentlichen aus der Bauzeit, wenngleich einige Einzelstücke noch aus der
"alten" Kirche oder von auswärts stammen. Neuromanische Elemente überwiegen, doch sind beispielsweise bei den Kreuzwegstationen und den Beichtstühlen neugotische Merkmale erkennbar.
Taufstein:
Das wohl älteste Kunstwerk ist der Taufstein, eine Kalksteinmuschelschale auf Balusterfuß mit Wappentartsche, der das Meisterzeichen des Wittislinger Steinmetzen Hans Salzmann trägt. Neben
den Monogrammen Christi und Mariä findet sich im Baluster in einem Oval die Inschrift des vermutlichen Stifters H. Lorenz. Wie viele Schretzheimer mögen wohl über diesem Stein, der die Jahreszahl 1656
trägt, das Sakrament der hl. Taufe empfangen haben?
Kanzel: 
Von besonderer Handwerklicher Qualität ist die gefällige Kanzel. an deren Brüstung die vier Kirchenlehrer . Nicht nur wegen des Dekors wirkt die Kanzel
sehr elegant und nobel. Wie ein Kelch ruht sie auf vier Säulen, den vier Kirchenlehrern Hieronymus, Gregor, Augustinus und Ambrosius, welche auch
als Figuren an der Kanzel selbst in sehr majestätischer Weise symbolisierend dargestellt sind. Den kostbar ausgestatteten Schalldeckel beschließt in einer Laterne die Plastik des guten Hirten.
Pieta: Auf den ersten Blick wirkt die sehr naturalistische barocke Pieta etwas plump. Doch drückt diese bäuerliche, volkstümliche,
gefaßte Arbeit in wunderschöner Weise das innige Verhältnis von Gottesmutter und Gekreuzigtem aus.
 Hl. Ulrich und hl. Lorenz:
Im Chorraum finden sich über den beiden Seitentüren die ca. 70 cm großen Plastiken (1. Hälfte 19. Jahrhundert) des Bistumspatrons St. Ulrich und des hl. Lorenz, dem Weihepatron der Vorläuferkirche.
Gedenktafeln: Unter den Aufgängen zur Empore erinnern Gedenktafeln an die im 19. Jahrhundert bei Kriegen Gefallenen aus der Gemeinde.
Ölberg: Er findet nur wenig Beachtung, da er etwas abseits an der östlichen Außenmauer hinter dem Turm liegt. Die Terrakottafiguren stammen aus dem 18. Jahrhundert.
Volksaltar Der neue Volksaltar diente in der ehemaligen Kirche St Laurentius von 1863 bis zum Abriß 1899 als Altarunterbau.
Seitenaltäre
Der rechte Seitenaltar ist dem früheren Patron, dem hl. Laurentius gewidmet. Er wird flankiert von den Heiligen Leonhard und Sebastian.
Der linke Seitenaltar zeigt den hl. Josef mit den Diözesanpatronen Ulrich und Afra. Die Schriftzeilen unter den Bildern erfuhren bei der Renovierung eine zarte
Rahmung und wirken nun wie ein stabiler Sockel, auf dem die Gemälde ruhen.
Engel Ein ausgesprochen liebliches, feines Antlitz zeichnet die beiden überlebensgroßen Engelsfiguren links und rechts des Hauptaltars aus. Diese im
Nazarenerstil der damaligen Zeit entstandenen wuchtigen Plastiken bestechen durch perfekte Handarbeit und einen demütigen, verinnerlichten Ausdruck.
Wer jedoch die eigenwillige Flügelstellung hinterfrägt, wird ein leichtes Schmunzeln nicht unterdrücken können.
Tabernakel
Der optische Mittelpunkt der Kirche ist der Tabernakel. Dieser wird von einer sehr würdevollen Darstellung des Gekreuzigten als Christkönig beherrscht.
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